Zu Beginn war ich heimliche Einzelkämpferin

10.08.2015

-zu Beginn war ich heimliche Einzelkämpferin-

Der Weg der mich zu Low Carb High Fat geführt hat, vor knapp 4 Jahren, könnte wohl dramatischer kaum sein. Der Grund für mich war, dass ich 2 Jahre zuvor an Schilddrüsenkrebs erkrankt war, mit gerade mal knapp 20 Jahren wurde meine Schilddrüse entfernt und es wurden noch weitere kleine Metastasen in meiner Lunge gefunden. Mein Leben stand auf dem Kopf! Es folgten mehrere Therapien und ich war froh das nach langen Monaten der Angst, in denen es mir auch körperlich nicht gut ging, ich als geheilt in ein Nachsorge-Programm verabschiedet wurde. Es war ein wirklich einschneidendes Erlebnis für mich und natürlich auch meine komplette Familie. Die Angst, dass der Krebs wieder kommt lässt einen nie wieder wirklich los. Am meisten beschäftigte mich der Umstand, ob ich selbst etwas tun kann um gesund zu werden und auch zu bleiben.

Viele Nächte habe ich mir mit Recherchen im Internet um die Ohren geschlagen, ich stolperte von Paleo hin zu LCHF und der ketogenen Ernährung. Am Ende suchte ich mir von allem das heraus was mir am sinnigsten schien und mir gut tat. Durch diese Umstände hatte mein Partner absolutes Verständnis für meine Entscheidung und er hat mich auch unterstützt, auch wenn er selbst nicht mitgezogen hat. Er war Anfangs der Einzige den ich in meine Ernährungsumstellung einbezogen habe.

Der restlichen Familie (sowohl meiner als auch der meines Partners) habe ich erst mal nichts erzählt. Auf Feierlichkeiten trank ich nur noch Wasser, lehnte Alkohol und Kuchen ab. Ansonsten aß ich weitestgehend normal mit, auch Nudeln und Co um nicht zu sehr auf zufallen, ich wollte noch nicht diskutieren, erst einmal mich selbst in allem einfinden.

Mit der Zeit kamen die ersten Fragen, zuerst wegen dem Alkohol... Bist du schwanger?... keine Softgetränke? Kein Kuchen, was ist los? Willst du abnehmen...?

Die Schwangerschaft wurde verneint. .. und ansonsten sagte ich das ich mich gesünder ernähren wollte.

-Zeit sich vorsichtig zu outen-

Zu der Zeit habe ich meine eigene Familie dann genauer eingeweiht, auch da wurde es gut aufgenommen. Nach dem ich mehr vertrauen darin hatte was ich tue und mir auch wissen angeeignet hatte um auf evtl. doofe Sprüche kontern zu können, habe ich angefangen auf den Geburtstagen die KH Beilagen weg zu lassen. In der Regel ging das ganz gut, zur Not aß ich auch nur die Bolognese Soße.

Vor den Feiern habe ich meist etwas schön fettiges gegessen und auch reichlich Gemüse, wer weiß was es so gibt. Dann habe ich auf der Feier nur gegessen was passte und davon auch nur eine kleine Portion. Klar fiel auch das mit der Zeit auf und es kamen nachfragen. Ich habe dann kurz und knapp erklärt was Sache ist und das ich es wirklich für die Gesundheit mache. Viele waren skeptisch aber es wurde auf jeden Fall akzeptiert. Das Eis war somit gebrochen :D

-neue Unsicherheit durch die Schwangerschaft-

So lebte ich gut 1 Jahr neben den "Normalessern" und es wurde auch nicht mehr so sehr thematisiert. Als mein Mann und ich 2012 unsere Schwangerschaft verkündeten war die Freude groß. Doch nach einer Weile gingen die Fragen von vorne los... wie du machst diese Diät trotzdem noch? Schadet das nicht deinem Baby? Gerade zu Beginn hat mich das sehr stark verunsichert. Man will ja wirklich nichts falsch machen und nur das Beste für das neue Leben welches in einem heran wächst...

Es gab leider sehr wenig zu diesem Thema im Internet zu finden, aber ich fühlte mich so gut und das Baby entwickelte sich genau richtig, meine Blutwerte waren super. Warum sollte ich es dann ändern? In der Schwangerschaft sah ich das mit den Kohlenhydrate etwas lockerer, solange diese aus gesunden Quellen wie Obst und Gemüse stammten (hierzu hatte ich euch im Juli bereits einen Blogpost geschrieben).

-LCHF in der Stillzeit-

Im April 2013 kam unser Sohn auf die Welt, er hatte wunderbare Maße und war kerngesund!

Nach etwas Anfangsschwierigkeiten klappte auch das Stillen wunderbar. Mein Sohn schoss nahezu in die Länge, so dass er wenig Speck ansetzen konnte. Aber auch das war ok. Ich stillte 6 Monate voll und aß dabei weiter so, wie ich es in der Schwangerschaft bereits getan hatte. Ich fühlte mich sehr wohl und dem Zwerg ging es wunderbar. Die Schwangerschafts-Pfunde habe ich auch ganz schnell wieder runter gehabt. Mit der Beikost starteten wir ganz langsam mit 6 Monaten und ersetzten Anfangs nur alle 2 Monate eine Mahlzeit. Den Rest stillte ich weiter, denn wir haben die Stillzeit sehr genossen. Ab dem Moment wo ich nicht mehr voll gestillt hatte, habe ich wieder versucht in ein strikteres LCHF zurück zu kehren, somit wieder weniger KH zu mir zu nehmen. Doch ich aß trotzdem sehr viel und nahm durch reichlich Fett einiges an Kcal auf um die Milchproduktion weiter aufrecht zu erhalten. Als mein Junior knapp 10 Monate war hatte ich gute 14 kg weniger als vor der Schwangerschaft, endlich mein Wunschgewicht erreicht und ich fühlte mich toll. Gestillt haben wir bis knapp vor den 1. Geburtstag.

Mein Gewicht konnte ich nach dem abstillen ohne weiteres halten. Ich habe nie wirklich gerechnet, das war mir immer zu umständlich. Und es hat auch so wunderbar nach Gefühl funktioniert. Nur während der Stillzeit habe ich hin und wieder mal die Kcal überschlagen, um sicher zu sein das ich ausreichend Energie zu mir nehme. Zum Thema LCHF Baby Beikost wird es einen extra Blogpost geben.

-Langsam stieg meine Familie mit ein-

Mein Sohn wuchs weiterhin LCHF auf, ich konnte meine Figur ohne weiteres halten, meine Blutwerte waren Top. Angespornt von meinem Werdegang fing meine Familie nach und nach an auf LCHF umzustellen. Gerade bei unserem Stiefvater war das höchste Zeit, denn er war schon lange Diabetiker und musste einiges an Insulin spritzen, obwohl er sich an die Ernährungsempfehlungen der Ärzte hielt und kaum Süßes aß. Mit LCHF schaffte er es zügig das Insulin zu drosseln und muss nun nur noch selten etwas spritzen. Seine Blutwerte werden ebenfalls langsam aber stetig besser. Sowohl er als auch unsere Mutter nahmen mit der Zeit einige Kilos ab. Auch wenn sie am Wunschgewicht noch nicht angekommen sind, so haben sie schon einiges geschafft auf das sie auch beide sehr stolz sind. Auch meine Schwestern und ihre Partner sind mit auf LCHF umgestiegen. Annika und ihr Freund nicht ganz so strikt, aber die KH bezieht sie nur aus natürlichen Quellen, da sie nicht abnehmen möchte. Die beiden finden sich somit etwas mehr in der Ecke Paleo wieder.

Es ist wahnsinnig toll nun eine Familie hinter einem zu haben die sich genauso aus Überzeugung LCHF ernährt. Auf Feiern gibt es keine Probleme mehr da das essen konform ist. Vor allem für meinen Sohn finde ich es schön das er sieht das es nicht nur bei uns zuhause so ist. Wenn wir bei meiner Familie sind muss ich mir keine Gedanken machen ob mein Sohn etwas "schlechtes" zu essen zugesteckt bekommt oder ausversehen findet.

Alle wissen genau was er isst, dass macht es für mich um einiges entspannter!

Auf meinem Weg habe ich vieles gelernt, Mut zu haben anders zu sein, an manchen Stellen Kompromisse ein zu gehen. Und besonders nicht zu versuchen andere von der Ernährung überzeugen zu wollen. Jeder muss selber darauf kommen, eigene Fehler und Erfahrungen sammeln. Einfach selbst den drang haben es in die Hand zu nehmen, was zu verändern... nur so kann es wirklich dauerhaft erfolgreich klappen mit der Ernährungsumstellung. Da nützen noch so viele gut gemeinte Ratschläge und Diskussionen nichts ;)

Liebe Grüße Bianca

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